Tisch decken für fästliche Anlässe

Gemeinsam zu essen ist das vermutlich älteste menschliche Gruppen-Ritual der Welt. Diese Gemeinsamkeit dient nicht allein der Nahrungsaufnahme. Sie dient vielmehr der sozialen Bindung untereinander. Im Laufe von vielen Jahrtausenden haben die unterschiedlichen Hochkulturen hierzu das herausgebildet und verfeinert, was als Tisch-Sitte bekannt ist.

Dazu gehört auch das richtige Tisch decken. Hierfür haben sich im europäischen und nordamerikanischen Raum bestimmte Regeln eingependelt, deren Grundlagen in den Adelskreisen des 19. Jahrhunderts zu finden sind. Diese haben sich wiederum an Ludwig XIV orientiert, dem Sonnenkönig, der in seinem Schloss in Versailles ein Hofzeremoniell etablierte, dessen Inhalte bis heute zumindest teilweise Bestand haben.

Natürlich ist die Pracht einer königlichen Tafel des 17. Jahrhundert im 21. Jahrhundert weder nötig noch angebracht, aber gerade beim Eindecken eines Tisches besitzen die Regeln dafür eine unbestreitbare Logik. Letztlich ist es ein Standard, der hilft, sich überall zurechtzufinden, wo dieser Standard angewendet wird und weist zugleich daraufhin, dass auch in anderen Regionen der Welt Tisch-Sitten bestehen, die es als Reisende oder Reisender zu respektieren gilt.

Der Tisch

Das Eindecken für festliche Anlässe beginnt bereits mit dem zur Verfügung stehenden Tisch und damit mit dem vorhandenen Platz.

Damit die Gäste bequem speisen können, sollte jeder Person eine Breite von 60 cm und eine Tiefe von 40 cm zugestanden werden. Bei beispielsweise 6 Personen müsste der Tisch entsprechend 180 cm lang und 100 cm breit sein. So können sich wahlweise je 3 Personen an den Längsseiten gegenübersitzen oder je eine Person an den Stirnseiten und je zwei Personen an den Längsseiten.

Bei einem runden Tisch ergibt sich der vorhandene Platz aus dem Umfang. Der lässt sich über die Formel Durchmesser x 3,14 berechnen. Ein runder Tisch mit einem Durchmesser von beispielsweise 120 cm besitzt dementsprechend einen Umfang von 376,8 cm. Theoretisch ergeben sich daraus 6 Sitzplätze a 60 cm breite. Allerdings verengen sich die Plätze zur Mitte des Tisches hin, weshalb ein Platz ausgespart wird. Folglich ist ein im Durchmesser 120 cm großer runder Tisch nur für 5 Personen geeignet.

Die Tischdecke

Farblich ist die Tischdecke natürlich auf das Geschirr und eine eventuelle Tischdekoration abgestimmt. Die Größe der Tischdecke sollte so gewählt sein, dass durch den Überhang die Tischbeine zu mindestens drei Viertel bedeckt sind. Es ist vorteilhaft, unter die Tischdecke eine Molton-Decke zu legen. Diese verhindert ein Verrutschen der Tischdecke und erspart eher unansehnliche Tischklammern. Zudem ist sie saugfähig und nimmt verschüttete Flüssigkeiten sofort auf.

Die Teller

Üblicherweise werden im privaten Kreis die Teller für Suppe und Hauptgang am Platz bereitgestellt. Vorspeisen und Desserts hingegen werden direkt auf ihren Tellern oder Schalen hergerichtet und an den Tisch getragen, wenn es so weit ist. Der Suppenteller wird auf den Teller für das Hauptmenü gestellt, der wiederum auf einer Platzdecke steht. Die Serviette wird diagonal, gefaltet oder gerollt, mit Serviettenring, auf dem Suppenteller platziert.

Das Besteck

Die Platzierung des Bestecks ruft immer die meisten Unsicherheiten hervor, dabei ist es wirklich nicht schwer, selbst wenn bestimmte Speisen eher ausgefallene Besteckteile notwendig machen.

Als einfaches Beispiel wird den Gästen ein Menü aus:

  • Vorspeise
  • Suppe
  • Hauptgang
  • Dessert

serviert. Dazu werden als Besteck benötigt:

  • kleines Messer (Vorspeise)
  • kleine Gabel (Vorspeise)
  • Suppenlöffel
  • Großes Messer (Hauptgang)
  • Große Gabel (Hauptgang)
  • Dessertlöffel oder Dessertgabel

Wie werden die Besteckteile um die Teller platziert?

Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass alle Gäste Rechtshänder sind, weil einfach die Mehrheit das meiste mit der rechten Hand erledigen. Das bedeutet, dass die Messer und der Suppenlöffel rechts vom Geschirr platziert werden, und zwar von außen nach innen in folgender Reihenfolge: kleines Messer, Suppenlöffel, großes Messer.

Auf der linken Seite wiederum von Außen nach Innen: Kleine Gabel, große Gabel. Der Dessertlöffel oder die Dessertgabel wird oberhalb der Teller quer hingelegt. Um die Abstände der Besteckteile untereinander, zur Tischkante und den Tellern gleichmäßig einzuhalten, darf die eigene Daumenbreite als Messlatte dienen.

Die Gläser

Auch über die Positionierung und Anzahl der Gläser besteht nicht immer Klarheit. Das erste Glas bei einem festlichen Essen wird üblicherweise nicht am Tisch getrunken und ist deshalb auch nicht Bestandteil der Tisch-Eindeckung. Der Aperitif wird den Gästen nach der Begrüßung gereicht, noch bevor am Tisch Platz genommen wird.

Auch Getränke nach dem Essen, wie ein Kaffee oder ein Likör, werden extra gereicht. Auf dem Tisch befinden sich pro Platz oder Person drei Gläser, die zur Tisch-Eindeckung gehören.

  • 1 Wasserglas
  • 1 Rotweinglas
  • 1 Weißweinglas

Auch die Anordnung der Weingläser hat eine genaue Vorgehensweise. Das Rotweinglas, als das größte der drei Gläser, wird rechts oberhalb des großen Messers auf einer Linie mit dem Dessertlöffel platziert. Das Weißweinglas und das Wasserglas werden nun oberhalb des Rotweinglases hingestellt, und zwar so, dass die drei Gläser ein Dreieck bilden. Dass Weißweinglas rechts, das Wasserglas links. Wieder wird per Daumenbreite der richtige Abstand ermittelt.

Grundsätzlich stehen die wichtigsten Bestandteile auf dem Tisch. In der Mitte lassen sich nun noch beispielsweise Kerzen, Salz- und Pfefferstreuer und vielleicht eine Essig-Öl-Menage platzieren.

Tischdekoration

Eigentlich sind Tischdekorationen ein Kapitel für sich, doch passen sie natürlich hervorragend zum Thema Tisch decken. Im Idealfall ergänzt sich die Tischdekoration mit der Tischdecke, den Servietten, einem eventuellen Tischläufer und mit dem Geschirr.

Tisch eingedeckt mit Besteck und Blumen

Besteht kein besonderer Anlass, etwa ein Jubiläum oder ein Geburtstag, sind Blumen nach wie vor die erste Wahl. Sehr schön machen sich Blumenschalen mit eher flachen Blütenköpfen. Hoch aufragende Blumen mit langem Stiel in entsprechenden Vasen sind dagegen ungeeignet, weil sie den Blick auf die gegenübersitzenden Gäste versperren und eine Kippgefahr darstellen.

Eher formlos, aber mit Spaß, die Schweizer Art

Wem das formelle Tisch decken und die dazugehörige Etikette zu viel ist oder es für nicht angebracht hält, kann auch einen Schweizer Abend ausprobieren. Die Schweiz als weltberühmter Käsehersteller brachte das „Fondue“ sowie das „Raclette“ hervor. Bei beiden Arten wird das Essen in gewisser Weise am Tisch zubereitet. Für GastgeberInnen ist der Aufwand wesentlich geringer, der Spaßfaktor aber locker 10 Mal höher.